Dienstag, 24. April 2012

Warum bloß im Selbstverlag?

Thomas Michalski ist neugierig. Er will wissen, warum ich mich bei "Wilde Jagd" gegen die Veröffentlichung als Das-Schwarze-Auge-Roman und für den Alleingang entschieden habe. Gute Frage, habe ich gesagt und ihn ein paar Tage vertröstet. Dazu muss ich nämlich erklären, was es mit dem DSA-Roman "Die Zeit der Gräber" auf sich hatte.

Es begab sich also zu einer Zeit, da ich noch Zivildienstleister war und vom Verlagswesen kaum eine Ahnung hatte. Die Neunziger hatten schon Fahrt aufgenommen und PCs verdrängten die Commodores, Ataris und Schneiders aus den Spielzimmern. Ich hatte ein paar Geschichten veröffentlicht, meist in sogenannten Fanzines, die mit einer Auflage von 30 bis 300 Exemplaren im Copyshop erstellt und oft gegen Einsendung von Briefmarken verkauft wurden.
Mein zweites großes Hobby war das Rollenspiel, in erster Linie Das Schwarze Auge. Seit der ersten Version hatte ich mich intensiv durch Aventurien bewegt, akzeptiert, dass halbintelligente Riesenaffen in einem Tempel auf eine Filmrolle warten können und dass ein Zauberer ein Raumschiff hat, das beinahe eine atomare Katastrophe ausgelöst hätte.
Nichts lag näher als anzunehmen, dergleichen könne ich auch schreiben bzw. besser noch: ich würde einen Roman daraus machen. Also schrieb ich die ersten zwanzig Seiten und schickte sie zusammen mit einem Konzept für den Rest des Romans an Ulrich Kiesow. Von der bereits geplanten Romanreihe bei Heyne war noch kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen. Ich hatte einfach Glück, im richtigen Augenblick einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Ich schreibe also bin ich

Um eine lange Geschichte kurz zu halten: Ich beendete meinen Zivildienst und statt das geplante Praktikum im Buchhandel anzutreten, habe ich einige Wochen Vollzeit an meinem Roman gearbeitet. Im ersten Halbjahr 1995 erschien dann "Die Zeit der Gräber". Als offizieller DSA-Roman. Im Heyne-Verlag. In praktisch jeder Fantasy-Abteilung des deutschen Buchhandels. Und inzwischen war ich auch mit Sciencefiction im Computermagazin c't untergekommen. Der Sprung von 30 zu 300.000 Lesern und mehr war überwältigend. Rückblickend erstaunt mich, dass ich überhaupt noch eine Ausbildung begonnen habe und mich nicht komplett ins Abenteuer Autor geworfen habe.
Vielleicht trugen aber auch die Vertragskonditionen des DSA-Romans zur Bodenhaftung bei. Das Buch kostete damals 12,80 DM - davon erhielt ich anfangs ca. 33 Pfennig. Der Vorschuss von 5.000 DM war eine üppige Summe für einen Azubi, aber ich wusste auch, wieviel Zeit ich dafür investiert hatte. Außerdem erschienen die Romane zwar bei Heyne, aber meine Vertragspartner waren die Erfinder von DSA. Zuerst rechnete Heyne mit ihnen ab und zahlte aus, davon wurde dann mein Honorar errechnet. Auch wenn das sicher kein repräsentatives Modell für das ganze deutsche Verlagswesen war, lernte ich doch schnell, auf Geld warten zu müssen.
In dieser Mischung aus Größenwahn, Gier und Gereiztheit schrieb ich also den nächsten Roman und wollte diese Erfahrung nicht wiederholen. Mein Plan sah vor, einen der großen Verlage ohne Bezug auf ein Rollenspiel zu begeistern. Schließlich hatten Zehntausende meinen Roman gekauft - die würden auch den nächsten kaufen. Selbstüberschätzung ist ein tolles Gefühl, solange es nicht mit der Wirklichkeit konfrontiert wird.

Das Internet macht's möglich

Meine Bemühungen um Heyne, Goldmann und andere Verlage waren alle sehr angenehm. Man sprach mit mir. Aber man sah (deutlicher als ich) den Beitrag den Das Schwarze Auge zum Erfolg von "Die Zeit der Gräber" beigesteuert hatte. Das war ein Rückschlag für meine Planung, doch keine Delle für meinen Selbstwert. Inzwischen gab es Internet, PDFs und eine abgeschlossene Verlagsausbildung. Die Zukunft des Lesens war ohnehin elektronisch. "Wilde Jagd" erschien 1999 als eines der ersten deutschsprachigen e-Books. Hardware für komfortables Lesen gab es noch nicht. Ein Rezensent bemängelt noch, dass er das e-Book nicht mit ins Bett nehmen kann, "ohne daß einem das Papier um die Ohren fliegt oder der Monitor schmerzhaft auf die Weichteile drückt". Laptops sollten erst später bezahlbar werden.
Von dieser ersten e-Book-Ausgabe verkaufte ich etwa 100 Exemplare. Angesichts der technischen Ausstattung der Zeit ein Erfolg, aber dann doch ein Dämpfer für meine Zukunftspläne. Immerhin verdiente ich pro Exemplar nun 4 DM. Pro Stück war das mehr als das Zehnfache des DSA-Honorars; in der Summe leider nur ein Zehntel.
Ich suchte mir einen Kleinverlag, damit "Wilde Jagd" schließlich doch gedruckt erschien. Hier sollte ich ca. 1,50 DM pro Buch verdienen. Allerdings kam es nie zu einer Auszahlung - der Verlag ging bankrott. Der höhere Honorarsatz hilft dann auch nicht. Umgetrieben hat mich das nicht mehr. Inzwischen war ich festangestellt in einem Verlag. Meine Vorstellungen vom Veröffentlichen, von Reichtum und Weltruhm waren realistischer geworden und zusätzliche Einkünfte weniger wichtig.

Der zweite Druck von "Wilde Jagd" war eher zum Spaß. Die aktuelle e-Book-Ausgabe als Kindle ebenfalls.  Allerdings ist Amazon der erste Geschäftspartner, der gleichzeitig hohe Honorarsätze abrechnet, kleine Projekte annimmt, potenziell große Nutzerkreise erreicht und regelmäßig ohne Aufforderung zahlt. Das müssen die traditionellen Verlage erst einmal nachmachen.

So, Thomas. Frage beantwortet?

Montag, 23. April 2012

Fragen und Antworten für Autoren

Antworten auf Fragen zu Urheberrecht, Verlagswesen und Vermarktung suchen fast alle Autoren. Seit mehr als einem Jahrzehnt stehe ich im autorenforum.de Rede und Antwort.
Diese Sammlung enthält alle Fragen und Antworten aus dieser Zeit und eine Einführung in Urheber- und Medienrecht. "Für interessierte und hilfesuchende Autorinnen und Autoren ist dieser Ratgeber einfach unverzichtbar." (Ramona und Thomas Roth-Berghofer, autorenforum.de)
Die Volltextsuche macht das E-Book besonders hilfreich, um schnell Antworten auf eigene Fragen zu finden. Passende Apps und Software gibt es für Android, iPhone/iPad, diverse Browsern, PC und Mac.
Kostenlose Leseprobe über Amazon.

Mittwoch, 18. April 2012

Fantasy-Roman kostenlos bis Sonntag



Mein Fantasy-Roman "Wilde Jagd" ist bis Sonntag kostenlos zu haben: http://www.amazon.de/Wilde-Jagd-Bronwen-ebook/dp/B004QS93WS/

Ursprünglich hatte die Geschichte als Nachfolger meines "Das Schwarze Auge"-Romans in Aventurien spielen sollen. Ich habe das Buch dann aber doch in eigener Regie veröffentlicht.
SpaceView schrieb dazu: "Ein sehr dichtes Epos mit packender Handlung und überraschenden Wendungen." (5/2001)

Klappentext

Der Wintergott zieht mit seinem Gefolge aus Wild, Wolf und Winden über das Land und bedeckt es mit Frost und Schnee. Doch seine Wilde Jagd ist diesmal nicht die Einzige.
Der Abenteurer Tuachall kehrt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurück und bringt Unbekanntes mit sich.
Eine rothaarige Schönheit namens Bronwen, die ganz dem Bild einer jungen Hexe entspricht. Eine dressierte Eule, die ihr aufs Wort gehorcht. Und etwas Anderes, das nach und nach Leben fordert.
Beginnend mit dem Tag von Tuachalls Ankunft.

Gebraucht wird ein Kindle, Android, iPhone / iPad oder auch nur der PC.

Sonntag, 15. April 2012

Halbzeit: Charaktere, Figuren und Charakterentwicklung

Der April ist halb vorüber und damit hat das Thema Charaktere, Figuren und Charakterentwicklung des Rollenspiel-Karnevals Halbzeit.
Bisher haben wir folgende Beiträge:

Ich bin gespannt, was die zweite Hälfte des Monats bringt.



Mittwoch, 11. April 2012

Kulturflatrate ist ungeeignet für die neue Medienwelt


Foto: Paul B.

Jeder zahlt einen festen Betrag für die freie Nutzung von Kunst und Kultur. Die Einnahmen daraus werden an die Urheber umverteilt. Das klingt nach einer Lösung, um Nutzer und Urheber gleichzeitig glücklich zu machen. Leider ist es eine Idee, die für die neue Medienwelt nicht geeignet ist. Seine Fürsprecher haben die digitalen Veränderungen nicht zuende gedacht.

Bevor mir jemand vorwirft, ich wäre kein Sozialist: ich bin ein großer Freund von Transferleistungen. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Rente, Krankenkasse, Pflegeversicherung, Steuern und staatliche Leistungen - alles liebgewordene Umverteilungen. Über Details kann man diskutieren, aber das Konzept ist wundervoll. Die Gemeinschaft schützt den Einzelnen vor Not und organisiert gesellschaftliche Großprojekte wie Infrastruktur, Ordnung und Sicherheit.
Jede sozial wünschenswerte Umverteilung lässt sich auf eines von drei Grundmustern zurückführen: Viele helfen wenigen; Starke helfen Schwachen; jeder übernimmt einen kleinen Beitrag für das gemeinsame Ganze. Eine Kulturflatrate scheint zunächst ins Konzept zu passen, denn jeder soll einen kleinen Betrag für frei zugängliche Kunst und Kultur zahlen und von der Gesamtsumme sollen die Urheber finanziert werden. Alle zahlen die Kulturflatrate, aber die Urheber bekommen mehr ausgezahlt als sie einzahlen und können so ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Aber was unterscheidet einen Urheber von einem Nutzer? Wer Werke schafft ist Urheber und wer Werke nutzt ist ein Nutzer. Leider ist das schon jetzt kein eindeutiges Abgrenzungskriterium mehr.
Ende Januar wurden pro Sekunde 1 Stunde Videomaterial auf Youtube hochgeladen. Selbst wenn man den riesigen Anteil abzieht, bei dem der Uploader nicht der Urheber ist ... spätestens bei dem ähnlich riesigen Anteil von Katzenvideos haben wir es mit Heerscharen von Urhebern zu tun, die alle einen Anteil der Kulturflatrate-Ausschüttung haben wollten. Wer sich die Mühe macht, seine Katze so zu dressieren, dass sie den Kühlschrank öffnet, und damit hunderttausende Menschen glücklich macht, der wird doch wohl einen Anteil verdient haben. Oder nicht? Sollen wir das als Alltagsaufnahmen von der Ausschüttung ausschließen? Und wie steht es dann um den Fotograf, der Bilder auf einer Hochzeit schießt? Sind das keine Alltagsaufnahmen?

Um eine Kulturflatrate sinnvoll durchführen zu können, müssten wir eine Abgrenzung zwischen kulturell bedeutsamen und kulturell unbedeutsamen Werken finden. Diese Abgrenzung müsste zudem nachvollziehbar sein und alle Werke einbeziehen, die irgendwo veröffentlicht werden. Jeder Upload im Videoportal muss genauso geprüft werden, wie jede Datei auf einer Website und jede Aufführung auf einer Bühne. Und dann wäre noch die Frage, ob bei dieser Prüfung auch immer klar ist, wer eigentlich der Urheber ist.
Vielleicht ist es anders herum praktikabel. Beurteilt wird nicht jedes Werk, sondern die Urheber. Ein Musiker legt eine Urhebereignungsprüfung ab und ohne die bekommt er keinen Anteil an der Kulturflatrate. Am besten muss er diese Prüfung alle paar Jahre wiederholen, damit er sich nicht auf alten Lorbeeren ausruht.

Eine Kulturflatrate als soziale Umverteilung kann nur funktionieren, wenn es wenige Urheber gibt und viele Nutzer. Das ist aber die Medienwelt von gestern. Heute ist jeder ein Urheber. Bei einem vergleichbaren Mengenverhältnis von Urhebern und Nutzern kann eine kleine Kulturflatrate beim Nutzer nicht zu nennenswerten Einkünften beim Urheber führen. Das wäre mathematisch nur noch möglich, wenn Viel-Nutzer mehr zahlen als Wenig-Nutzer und Viel-Urheber mehr bekommen als Wenig-Urheber. Das wäre aber keine Flatrate - das sind Nutzungs- oder Verkaufspreise wie wir sie heute schon haben. Und der Viel-Nutzer hätte wieder einen finanziellen Anreiz, sich illegalen Zugriff zu beschaffen, um das Ansteigen seiner Gebühr zu vermeiden.

Die neue Medienwelt verlangt andere Finanzierungsmodelle als Verkaufs- und Verleiherlöse. Sie braucht aber keine Kulturflatrate, sondern neue Geschäftsmodelle.

Dienstag, 10. April 2012

Neue Medien, neues Urheberrecht?


Foto: Elizabeth Thomson
Medien und ihre Nutzung verändern sich. Urheber werden zukünftig nicht mehr für die Vervielfältigung bezahlt werden, sondern für die Veröffentlichung. Verwerter sind nicht überholt, sondern notwendiger denn je. Medienpiraterie ist trotzdem sinnvoll und fördert die Medienentwicklung.


Die Medienwelt ist im Umbruch und das nicht erst seit der Digitalisierung. Schon die analogen elektronischen Medien haben die bis dahin gültige Medienwelt maßgeblich verändert. Die Rechtsgrundlage der Medien, in erster Linie das Urheberrecht, stammt jedoch noch aus der Zeit vor den elektronischen und digitalen Veränderungen. Die gesellschaftliche Debatte, ob dieses rechtliche Fundament noch angemessen ist, hat sich zur offenen Feldschlacht mit rationalem, emotionalem und faktischem Schlagabtausch entwickelt. Der Appell gegen den Mausklick. Die Befürchtung gegen die Verständigung. Die Macht gegen die Machenden.
Ich frage mich, wie das Urheberrecht beschaffen wäre, wenn wir es heute schaffen würde. Wie würden wir Recht setzen, wenn die aktuelle Praxis prägender wäre als die vergangene Gewohnheit. Wenn unsere Absicht, ein funktionierendes System zu schaffen, größer wäre als unser Bedürfnis, einen Stellungskampf zu gewinnen, was wäre dann?


Kurze Selbstanzeige
Dieser Frage möchte ich nachgehen, doch wie sehr ich mich anstrenge, auch meine Gedankengänge sind geprägt durch Erfahrung und Gewohnheit. 
Ich veröffentliche seit 20 Jahren in Büchern, Zeitschriften, CD-ROMs und online. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt nicht damit, sondern als Angestellter in einem Verlag. Früher habe ich dazu Anzeigen verkauft, heute layoute ich Zeitschriften. Zwischendurch habe ich gegen Honorar die Redaktion einer Zeitschrift geführt.
Meine Mediennutzung ist in erster Linie digital. Ich lese nur noch per PDF oder App. Meine Musiksammlung habe ich vollständig per CD oder Onlinehandel bezogen und in einer Cloud abgespeichert. Filme und Serien bevorzuge ich im englischen Originalton. Für diese Tonspur leihe ich sie per Versand oder ich ziehe sie mir “irgendwo” aus dem Netz. Wenn sie mir ans Herz wachsen, kaufe ich Serien anschließend. Deutsches Fernsehen und Kino gehen daher vollständig an mir vorbei.


Wen betrifft Urheberrecht?
Vor der “Elektrisierung” der Medien betraf das Urheberrecht nur Urheber und Verwerter. Der Aufwand ein Werk zu vervielfältigen und zu veröffentlichen stellte eine ausreichende Hürde da, um den durchschnittlichen Nutzer von allen Rechtsfragen fernzuhalten. Einen Nachdruck oder eine Schallplatte zu erstellen, war nur mit großem finanziellem Aufwand möglich. Raubkopien waren nur geschäftsmäßig möglich und in diesem Geist wurde das Urheberrecht auch erfunden - um Finanzinvestitionen der Verwerter und die Arbeitsleistung der Urheber zu schützen.
Spätestens jedoch seit jeder zuhause Tonbandaufzeichnungen erstellen konnte, war das Urheberrecht auch ein Thema für Privatnutzer. Darf ich Aufnahmen vom Radio, von Live-Auftritten, von Schallplatten erstellen und im Freundeskreis verschenken? Darf ich sie auf dem Flohmarkt anbieten? Der technische Aufwand für Vervielfältigung und Veröffentlichung war plötzlich gering, obwohl die Qualität der Kopien zu wünschen übrig ließ und im Wesentlichen auf Audio-Medien beschränkt war. Dann kam die Videokassette und es betraf auch Film und Fernsehen. Andere Techniken machten auch Bild und Wort billig kopierbar. Mit 3D-Druckern ist auch die Kopie künstlerischer Gegenstände in Reichweite.
Das Internet gibt jedem zudem die Möglichkeit solche Kopien nicht nur herzustellen, sondern auch zu veröffentlichen. Die technischen Hürden, die das Urheberrecht als Spezialistenproblem bewahrt hatten, sind überwunden. 
Nutzer mischen nicht nur mit, sie mischen sich auch ein. Sie stellen Ansprüche. Wenn ich ein Musikstück gekauft habe, darf ich es für alle meine Endgeräte kopieren? Darf ich es in einer Cloud ablegen, um überall darauf zugreifen zu können? Wenn ich eine DVD an Freunde verleihen darf, warum kann ich ihnen meinen digital erworbenen Film nicht geben? Das sind unbequeme, aber berechtigte Fragen.


Wie arbeiten Urheber und Verwerter zusammen?
Urheber und Verwerter waren gewohnt, mit ihrem Urheberrecht allein zu sein. Ihr Urheberrecht und ihr Geschäftsmodell war eine untrennbare Einheit; gemeinsam entwickelt, gemeinsam gewachsen und gemeinsam gehegt. Das Rechtsmodell und die technischen Möglichkeiten griffen nahtlos ineinander. Sie bestimmten die Arbeitsteilung zwischen Urheber und Verwerter.
Der Urheber erschafft Werke nach eigenem Ermessen als Ausdruck seiner Persönlichkeit. Die Verwerter wählen aus, was veröffentlicht werden soll, bereiten das Werk zur Vervielfältigung auf und erledigen die mit der Veröffentlichung verbundenen logistischen Aufgaben. Die Verwerter leisten also drei Funktionen: Selektion, Herstellung und Vertrieb. 
Die Selektion trägt unterschiedlichste Namen. Sie kann Programmgestaltung, Redaktion, Lektorat oder Agentur heißen. Die Auswahl hat zwei Richtungen. Sie bestimmt, welche Werke überhaupt in den Genuss einer aufwändigen Produktion kommen. Nicht jeder Roman wird veröffentlicht, nicht jedes Drehbuch verfilmt. Außerdem dient die Selektion auch als Empfehlung. Der Artikel in einer Zeitung ist eine Empfehlung der Redaktion, die Sendung im Samstagabendprogramm soll mehr Aufmerksamkeit bekommen als die im Nachtprogramm. Um beide Ansprüche zu erfüllen, entsteht in der Praxis eine Kopplung beider Auswahlkriterien. Was genutzt werden will, wird produziert - was produziert wird, soll genutzt werden. Ein kleiner Kreis auswahlberechtigter Personen entscheidet, ob ein Werk den Weg vom Urheber zum Nutzer überhaupt antreten kann. Dieser Selektionselite wird im traditionellen Mediengeschäft ein besonderer Status gewährt. Das reicht von gesellschaftlichem Ansehen für Redakteure, Lektoren und Verleger bis zu Sonderprivilegien im Wirtschafts- und Arbeitsrecht für Verwerter. Die aktuelle Debatte über die Einführung eines Leistungsschutzrechts wurzelt in dieser traditionellen Wertschätzung.


Welche Werke schützt das Urheberrecht?
Das Urheberrecht bestimmt zunächst, was ein schützenswertes Werk ist. Dazu ist eine persönliche Schöpfungsleistung erforderlich, was bedeutet nur Personen können Werke schaffen. Tiere und Software mögen malen oder musizieren, aber Urheberrechte können sie nicht haben. Das Werk muss zudem eine nennenswerten geistigen Gehalt und eine sogenannte Schöpfungshöhe haben. Was das genau bedeutet, wird gelegentlich vor Gericht diskutiert. Unstrittig ist, dass “Ich liebe dich, Klaus-Günther” zwar Ausdruck der Persönlichkeit sein mag, aber wenig geistigen Gehalt und überhaupt keine Schöpfungshöhe hat. Es ist eine Alltagsäußerung und wir müssen nicht befürchten, dass uns das Urheberrecht irgendwie in die normale Kommunikation hineingrätscht, weil wir etwas sagen, was in einem Film oder Buch auch schon mal gesagt wurde. 
Außerdem verlangt das Urheberrecht, dass ein Werk eine wahrnehmbare Formgestaltung hat. Oder verständlicher formuliert: eine Idee ist Freiwild, ihre Umsetzung in Text, Bild, Programmcode oder jede andere Form ist geschützt. Drehbuchautoren, die mit ihrer Idee für einen Film oder eine Serie, nach einem Studio suchen, haben keinen urheberrechtlichen Schutz. Sie gehen das Risiko ein, dass ein Studio die Idee aufnimmt und von einem anderen ausarbeiten lässt. Das Urheberrecht schützt nicht, was der Urheber im Kopf hat, sondern was er in Händen hält.


Wie schützt das Urheberrechts den Urheber?
Der Urheber entscheidet, ob ein Werk veröffentlicht wird. Das klingt banal, denn welcher Autor, welcher Musiker will nicht veröffentlichen? Doch dieses Recht gilt nicht nur für berufsmäßige Urheber. Es gilt auch für Menschen, die E-Mails schreiben, die unter der Dusche singen, oder im Schlafzimmer Videos drehen. Ob ich mich ins Licht der Öffentlichkeit stelle, ist eine weit reichende Entscheidung und sie muss mir als Person erhalten bleiben.
Wenn ich veröffentliche, sollte meine Urheberschaft anerkannt werden. Dass man sich nicht mit fremden Federn schmücken soll, ist auch ein gesellschaftlicher Konsens. Ob es ein Recht auf anonyme Veröffentlichung oder ein Recht auf Pseudonym gibt, ist vielleicht diskutabel.
Mein Werk ist Ausdruck meiner Persönlichkeit. Mein veröffentlichtes Werk stellt mich also öffentlich dar. Wenn es nachträglich verändert wird, manipuliert das mein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Auch als Nutzer will ich authentische, unmanipulierte Äußerungen, die ich ihrem Urheber zurechnen kann.
In diesem Teil des Urheberrechts sind Fragen der Identität betroffen. Sie haben wenig mit wirtschaftlicher Nutzung zu tun und übertragen vielmehr Grundbegriffe des Umgangs, von Authenzität und Würde des Urheber auf sein Werk. Ähnliche Regelungen finden sich auch an anderer Stelle, z.B. zum Recht am eigenen Bild im Kunsturheberrecht. Diese Urheberpersönlichkeitsrechte stehen für mich nicht zur Debatte, weil ganz ähnliche Rechte im normalen menschlichen Miteinander nicht zur Debatte stehen.


Wie schützt das Urheberrecht die Verwertung?
Darüber hinaus gibt das Urheberrecht die Verwertungsrechte zunächst an den Urheber. Wenn er sich entschieden hat, dass sein Werk veröffentlicht wird, kann er die verschiedenen Formen der Veröffentlichung reglementieren. Er kann entscheiden, dass sein Text gedruckt, aber nicht gesungen oder verfilmt werden darf. Er entscheidet, ob die Kopien nur in Deutschland oder auch in anderen Ländern vertrieben werden dürfen. Er entscheidet, ob die Herstellung neuer Kopien auf einen Zeitraum begrenzt wird.
In der traditionellen, also sehr aufwändigen Produktionsweise vergibt der Urheber diese Rechte an einen Verwerter. Der älteste Begriff für diese Art der Geschäftsbeziehung ist Verleger, den er legt die finanziellen Mittel für die Produktion des Werkes vor. Heute würde man das Investor nennen. Da der Verwerter aber inzwischen nicht nur die Finanzierung, sondern auch die Herstellung und die Verbreitung organisiert, lässt er sich die entsprechenden Rechte vom Urheber übertragen und wickelt die Finanzen vollständig selbst ab.


Wie finanzieren sich Urheber und Verwerter bisher?
Verwerter nehmen Geld aus dem Verkauf von Werken oder aus dem Implementieren von Werbung ein. Der Verkauf kann einzeln oder im Abonnement erfolgen, wobei der Einzelverkauf meist über den Einzelhandel abgewickelt wird und das Abonnement meist direkt vom Hersteller bezogen wird. Über die Werbefinanzierung wird die Aufmerksamkeit, die ein Werk erreichen wird, genutzt, um Angebote von Dritten bekanntzumachen. Damit gewinnt die Werbefinanzierung Einfluss auf die Selektionskriterien. Was genutzt werden will und werberelevante Aufmerksamkeit erzeugt, wird produziert - was produziert wird, soll genutzt werden.
Urheber finanzieren sich in aller Regel über die Verwerter. Von ihnen erhalten sie verkaufsabhängige oder feste Beträge für die Übergabe der Verwertungsrechte. Bei Büchern und Musik sind erfolgsbezogene Honorare die Regel, während bei Zeitungen, Zeitschriften, Film und Software Festhonorare oder Gehälter die Regel sind. Mischformen von Fixum plus Erfolgshonorar sind allerdings nicht ungewöhnlich.
Urheber haben jedoch noch weitere Einnahmequellen. Sehr oft bieten sie basierend auf ihren Werken Zusatzservices an: Auftritte in Form von Konzerten, Lesungen, Vorträgen oder Seminaren, aber auch Dialog mit ihren Nutzern, z.B. Autogrammstunden, Beratungsdienste, Leserfragen.
Erwähnen möchte ich auch noch das Mäzenatentum. Hier werden bestimmte Urheber von Einzelpersonen, Gesellschaften und neuerdings auch durch Crowdfunding für kommende Werke gefördert. Das Mäzenatentum spielt in einigen Bereichen, z.B. in der Wissenschaft, eine wesentliche Rolle für die Finanzierung der Urheber, ist insgesamt aber eher ein Sonderfall.


Warum verändert sich die Medienwelt?
Die Medienwelt könnte sich nicht radikaler wandeln. Schon heute kann jeder vervielfältigen und jeder kann veröffentlichen. Mit dem Leitbild von teurer Produktion und aufwändiger Verbreitung verträgt sich das nicht.
Solch einen Paradigmenwechsel kennt die Mediengeschichte bereits. Während in der Antike ein Urheber zwar ein Werk geschaffen hat, unterlag die Verbreitung von Kopien weder seiner Kontrolle, noch die eines von ihm beauftragten Verwerters. Vielmehr entschieden vermögende Nutzer darüber, welche Werke ihnen den Aufwand wert waren, sie zu vervielfältigen. Bücher mussten manuell abgeschrieben, Theaterstücke aufwändig inszeniert, Kunstwerke aufwändig transportiert werden. Damals galt der Urheber wenig. Oft wurde er nicht einmal erwähnt. Das Werk war entscheidend und wertvoll. Zudem waren Medien eine Seltenheit und nicht für die Allgemeinheit bestimmt. Wenige Urheber schufen Werke für wenige Nutzer.
Dann kam die Drucktechnik. Statt Einzelproduktion bei Bedarf wurde die Mengenproduktion auf Vorrat finanziell sinnvoll. Doch wer viel Geld in die Produktion einer Auflage steckt, will sie auch verkaufen, muss sich daher intensiv um den Vertrieb kümmern. Die Bedeutung von Planung und Vorausschau nahm zu. Die Bedeutung von Urheber und Verwerter stieg, denn das Werk war nun von seinem Ursprung abhängig. Ohne Mengenproduktion lohnte sich das Vervielfältigen nicht mehr. Wenige Urheber schufen Werke für eine ständig wachsende Nutzerschaft. Ähnliches erlebte die Musik mit der Ton- und das Schauspiel mit der Filmaufzeichnung. Auch der Rundfunk ist eine Kommunikation von wenigen mit vielen. 
Heute kann jeder ein Urheber sein, jeder vervielfältigen und jeder veröffentlichen. Viele Urheber schaffen Werke für viele Nutzer. Das Mengenverhältnis ist viel ausgewogener. In solch einer gleichwertigen Beziehung ist eine Elite, die allein entscheidet, was der Rest nutzen wird, nicht akzeptabel. Das zeigt sich deutlich in der veränderten Nutzung von Medien.
Der bisherige Medienkonsum ist davon geprägt, dass die verfügbare Auswahl knapp ist. Ein Roman, eine Musik-CD, eine DVD sind eine Weile zu kaufen. Sie werden in Großmengen hergestellt, wenn sie neu sind, und eine gewisse Zeit nachproduziert, doch irgendwann sind sie nicht mehr verfügbar. Daher muss man Medien besitzen. Regale voller Bücher, CD-Schränke, DVD-Sammlungen. Ich muss sie schnell kaufen, bevor es sie nicht mehr gibt.
Digitale Medien lassen sich nicht auf diese Weise verknappen. Sie können ohne große Mühe vervielfältigt und verbreitet werden. Kopierschutz ist eine Hürde, aber diese Hürde ist lächerlich im Vergleich zum Aufwand der mit vergangener Technik für eine Kopie erforderlich war. Kopierschutz ist nur der Versuch, alte Zustände in neuen Umgebungen aufrecht zu erhalten. Digitale Nutzer erwarten Kopierbarkeit. Das ist der ursprüngliche Zweck der Digitalisierung.
Für digitale Medien ist nicht wichtig, ob ich sie besitze, wichtig ist, ob ich sie erreiche. Das Lexikon im Regal nutzt mir nicht, wenn ich unterwegs etwas nachschlagen will. Wenn ich einem Freund ein Lied vorspielen möchte, will ich nicht erst nach Hause fahren, um die CD zu holen. Der Besitz einer Kopie, der für Jahrtausende entscheidend war, wird bedeutungslos. Der Zugriff ist entscheidend. Die Verbreitung von Medien ist kein Handel mit Waren mehr; sie wird zur Dienstleistung. 
Die Auswahlleistung, die Programmredaktionen geleistet haben, verliert an Bedeutung. In einer Kommunikation vieler Urheber mit vielen Nutzern verändert sich das Gewicht einer Meinungselite. Wenn Tausende einen Roman empfehlen, womöglich gar Freunde und Verwandte, deren Meinung wir einschätzen können, wie wichtig ist dann noch das Urteil eines Literaturexperten? Wenn die Finanzierung keine Hürde mehr für die Veröffentlichung ist, werden Auswahl-Experten nicht mehr gebraucht. Teure, personalintensive Produktionen wird diese Veränderung nicht betreffen. Hier benötigen wir eine Vorabauswahl, die beurteilt und entscheidet, welche Filme, welche Serien, welche Software-Großprojekte zur Veröffentlichung finanziert werden. Wo sich die Gesellschaft ein Überangebot nicht leisten kann, wird weiterhin eine Elite über das verfügbare Angebot entscheiden. In allen anderen Fällen werden die Nutzer selbst entscheiden, was der Beachtung wert ist. Sicherlich werden auch Experten und Berühmtheiten Einfluss auf diese Entscheidung nehmen. Doch sie reden nur noch mit, wenn es um die Nutzungsentscheidung geht - nicht mehr bei der Produktionsentscheidung.


Wie werden Urheber und Verwerter weiterhin Geld verdienen?
Wenn etwas unbegrenzt vervielfältigt werden kann, dann kann das einzelne Exemplar nichts wert sein. Das ist eine zwingende marktwirtschaftliche Folgerung. Piraterie ist illegal, aber wirtschaftlich vernünftig - das gilt online genauso wie seinerzeit in den Gewässern der Karibik.
Eine Verschärfung der Rechtslage und der Strafverfolgung könnten eine Lösung sein, wenn dies nicht vor der faktischen Macht der Digitalisierung kapitulieren müsste. Ohne nennenswerte Ressourcen zu benötigen, wird dezentral kopiert und veröffentlicht. 
Kontrolle der Nutzung, geschweige denn Durchsetzung der Rechte ist ein Kampf gegen die Hydra. Je mehr Köpfe man abschlägt, desto mehr wachsen nach und umso attraktiver sind sie. Und der Gegner der Hydra ist kein strahlender Held; er ist ein alter Besserwisser, ein kleinkrämerischer Besserwisser, der Regeln von gestern zitiert und die Realität von heute nicht wahr haben will. Das bisherige Geschäftsmodell der Verwerter basiert auf dem Wert von Auswahl, Vervielfältigung und Verbreitung. Das alles wird wertlos. Auswählen, vervielfältigen und verbreiten kann jeder. Warum sollte jemand dafür zahlen?
Verwerter müssen sich dem Paradigmenwechsel anpassen, denn wir brauchen sie zukünftig dringender als im Augenblick. Sie sollen Nutzer nicht mehr mit einer Kopie abspeisen, die sie selbst archivieren müssen. Sie sollen Nutzern jederzeit Zugriff auf das Verwerter-Archiv geben. Sie sollen alte Werke jederzeit zugänglich halten. Sie sollen ungewöhnliche, kuriose oder seltsame Werke genauso leicht auffindbar machen wie anerkannte oder massentaugliche Werke. Nutzer brauchen nicht mehr die Auswahl, sondern die Vielfalt. Wozu aber die Mühe? Wer wird das bezahlen? Warum wird das jemand bezahlen?
Medienwerke sind wie Segelschiffe. Eine einzelne Galeone wird leicht Opfer von Piraten, ein ganzer Konvoy nicht. Ein in sich abgeschlossenes Medienwerk zu kopieren, ist leicht. Eine ständig wachsende Datenbank von mit einander vernetzten Beiträgen, die Nutzerkommentare haben, die von überall aus genutzt werden können und mühelos auf jedes Endgerät konvertiert werden, ist immun gegen Kopien. Jede Kopie wäre nur eine Momentaufnahme, veraltet schon wenige Augenblicke später und damit beschädigt. Zudem geht mit der Kopie der Service verloren, die Erreichbarkeit, die Vernetzung, die neuen Zusatzfunktionen. Jede Kopie wäre weniger wertvoll.
Die Verwertung funktioniert zukünftig über dauerhafte Beziehungen. Umfangreiche Dienstleistungen der Verwerter, die im Abonnement bezahlt werden. Einzelne Werke können die Nutzer auch irgendwo im Netz finden, aber nicht so einfach, nicht so komfortabel und nicht mit der Community, die Beurteilung und Verknüpfung mit weiteren Werken leistet.
Nutzer zahlen in Zukunft nicht mehr für Kopien. Nutzer zahlen für Service, die ihre Mediennutzung angenehmer machen. Und Werbekunden zahlen für den Zugang zur Wahrnehmung dieser Nutzergruppen.
Verwerter benötigen Urheber, um die Nutzer und die Werbekunden zu versorgen. Urheber benötigen Verwerter zur Finanzierung und um ihr Werk mit den Servicefunktionen auszustatten, die Nutzer erwarten: Erreichbarkeit und Vernetzung. Da der Verkauf von Kopien in sich zusammenbricht, werden Urheber seltener von Erfolgshonoraren abhängig sein und häufiger mit festen Beträgen rechnen können. Star-Urheber werden immer noch Fixum plus Provision durchsetzen können. Sie erhalten aber nicht mehr primär Anteile am Verkauf von Kopien, sondern werden für das Werk bezahlt und wie wichtig es für die Nutzergruppe ist.


Die Änderungen für Urheber, Verwerter und Nutzer im Überblick
Urheber werden bezahlt, wenn sie sich für einen bestimmten Verwerter entscheiden. Sie werden nicht mehr für die Vervielfältigung, sondern für die Veröffentlichung bezahlt.
Ein Teil der Verwerter wird sich zu großen Datenbank- und Servicedienstleistern verändern, die von Nutzern für den Zugang, die Vernetzung und den Komfort bezahlt werden. Von Werbetreibenden erhalten Verwerter weiterhin Geld, um von interessanten Nutzergruppen wahrgenommen zu werden.
Der andere Teil der Verwerter wird zu kleinen Agenten- oder Programmbüros werden, die Auswahl und Empfehlung insbesondere für aufwändige Produktionen leisten. Sie konsultieren den Finanzinvestoren bei der Auswahl, welche Projekte die Investition wert sind.
Nutzer zahlen nicht mehr für die Kopie. Der Besitz einzelner Exemplare wird nebensächlich. Geld fließt nicht für einzelne Werke, sondern für den Zugang zu Bibliotheken, Datenbanken oder Sendern und für die Nutzung ihrer Zusatzdienste.


Welche Änderungen am Urheberrecht benötigen wir?
Eigentlich kann das Urheberrecht so bleiben wie es ist. Das Urheberpersönlichkeitsrecht wird weiterhin dringend benötigt, um die Identität die Nachvollziehbarkeit öffentlicher Äußerungen zu schützen. Das Recht zu entscheiden, ob ein Werk veröffentlicht wird oder nicht, wird zum entscheidenden Hebel für die Finanzierung der Urheber werden. Dahinter verlieren die einzelnen Verwertungsrechte an Bedeutung. Ihre Durchsetzung wird kaum noch verfolgt werden. Vielleicht wäre es hilfreich, diese Teile des Urheberrechts einzuschränken.
Schwierig ist allerdings die Übergangszeit. Verwerter, die sich nicht verändern wollen, werden ihre Rechte in alter Gewohnheit durchsetzen, um ihr Überleben zu verlängern. Menschlich ist das verständlich. Rechtlich ist es korrekt. Strategisch ist es falsch. Ich hoffe, wir können sie motivieren, den Mut zur Veränderung aufzubringen.

Montag, 9. April 2012

Auch-Spieler-Charaktere: gemeinsam schmeckt's am besten

Foto: Courtney Carmody
Ein Beitrag zum Rollenspiel-Karneval "Charaktere, Figuren und Charakterentwicklung"

Jeder Rollenspieler kennt Spieler-Charaktere und Nicht-Spieler-Charaktere. Die Trennung scheint klar und einfach. Figuren, die die Spieler führen, sind etwas anderes als Figuren, die vom Spielleiter geführt werden. Ich empfehle noch eine dritte Kategorie von Figuren, die ich Auch-Spieler-Charaktere nenne.

Bei Auch-Spieler-Charakteren erlaube ich den Spielern, sich in die Darstellung und Entwicklung von Charakteren einzumischen, die nicht ihre Spieler-Charaktere sind. Gleichzeitig behalte aber auch ich Fäden in der Hand, mit denen ich diese Charaktere präge. Spieler und Spielleiter teilen sich die Hoheit über diese Figuren.
Erste Erfahrungen mit dieser Idee habe ich mit Vertrauten und anderen speziellen Tieren von Spielercharakteren gesammelt. In verschiedenen Systemen erhalten bestimmte Klassen Tiergefährten, die in irgendeiner Weise nützlich und mehr oder minder intelligent sind. Spieler nehmen die Fähigkeiten solcher Begleiter gern in Anspruch, neigen mitunter aber dazu, deren Existenz ansonsten zu vergessen. Als Spielleiter kann man diese Lücke leicht füllen und dem Begleiter Eigenheiten und damit Charakter verleihen. Der Nutzen des Begleiter sollte gewahrt bleiben, doch vielleicht agiert das Tier nicht mit optimaler Effizienz oder ergänzt die Leistung um kuriose Besonderheiten. Sprachfähigkeiten vorausgesetzt kann mit dem "Herrchen" diskutiert und seine Befehle kommentiert werden. In unseren Runden hat diese Interaktion das Spiel bereichert, die Begleiter wertvoll statt nur nützlich gemacht. Plötzlich bemühen sich Spieler sogar um die Stimmung ihres Gefährten.

Komplexer können Auch-Spieler-Charaktere sein, wenn sie nicht nur Tiere, sondern vollwertige Figuren sind. In Shadowrun z.B. können Spieler bei Charaktererschaffung dauerhaften Kontakt zu Personen aufbauen, die im Spiel für Informationen oder Dienste zur Verfügung stehen. Da diese Figuren mit der Charaktererschaffung ausgewählt oder erschaffen werden, liegt es nahe, dass die Spieler die Daten und Funktion dieser Kontakte verwalten - zumindest wenn die Runden mit wechselnden Spielleitern gespielt wird. Trotzdem bevorzuge ich, wenn diese Figuren vom Spielleiter dargestellt werden. Die Konzeption des Spielers bestimmt, wer der Auch-Spieler-Charakter ist; die Darstellung des Spielleiters bestimmt, wie der Auch-Spieler-Charakter in der konkreten Situation agiert.
Viele Rollenspiele setzen voraus, dass die Hauptfiguren nur bedingt Teil eines sozialen Umfelds sind, doch nötig ist das nicht. Mit Auch-Spieler-Charakteren lassen sich familiäre Beziehungen und Verpflichtungen sehr gut umsetzen. Der Spieler bestimmt, ob sein Charakter verheiratet ist oder Kinder hat. Er legt die Eckdaten dieser Personen fest. Ob und wie die Figuren Einfluss aufs Spiel nehmen, übernimmt jedoch der Spielleiter.

Wichtig beim Einsatz von Auch-Spieler-Charakteren ist gegenseitiger Respekt. Der Spielleiter muss sich bewusst sein, dass er in einen Anhang, womöglich sogar in einen Teil des Spieler-Charakters eingreift. Man sollte eine nützliche Ergänzung der Klassenfähigkeiten genauso wenig entwerten, wie man den Ehegatten eines Spieler-Charakters wahllos töten sollte. Spieler sollten im Gegenzug bedenken, dass überraschende oder gar widerspenstige Reaktionen des Auch-Spieler-Charakters sie nicht ärgern, sondern das Spiel beleben sollen. Gerade weil die Auch-Spieler-Charaktere sowohl Spielern, als auch Spielleiter "gehören", können sie als wertvoll und intensiv erlebt werden.

Mein nächster Schritt wird die Erschaffung eines Nicht-Spieler-Charakters, noch dazu eines Erzrivalen durch die Spieler sein. Da ich die laufende Kampagne nicht spoilern will, kann ich dazu allerdings noch nicht berichten.

Dienstag, 3. April 2012

Figuren übersichtlich festhalten


Foto: Kevin Lawver
Ein Beitrag zum Rollenspiel-Karneval "Charaktere, Figuren und Charakterentwicklung"

Als Spielleiter habe ich zwei gänzlich unterschiedliche Ansprüche an einen Abenteuertext. In der Vorbereitung will ich mich in die Handlung, die Szenerie und die Stimmung des Abenteuers einfinden können. Dafür steht mir auch die nötige Zeit zur Verfügung. Während des Spiels will ich dagegen möglichst schnell essenzielle Informationen des Abenteuers aufnehmen können, um sie der Situation angemessen variieren und darstellen zu können. Gerade bei der Vielzahl von Nicht-Spieler-Charakteren, die von mir im Laufe eines Abenteuers mit Leben gefüllt werden wollen, wäre eine übersichtliche Darstellung hilfreich.
Bei eigenen Abenteuern mag das nicht ganz so ins Gewicht fallen, weil man sich schneller an Ideen erinnert, die man selbst entwickelt hat. Aber auch Charaktere, die nicht so häufig, aber über einen längeren Zeitraum in einer Kampagne auftauchen, möchte ich konsistent halten und nicht nach Lust und Laune bei jedem Auftritt anders darstellen. Bei Abenteuern von anderen Verfassern schlägt die Frage, wer diese Nebenfigur eigentlich war und wie sie agieren soll, noch viel stärker ins Gewicht.
Mein aktueller Stand einer Kurzübersicht für Figuren ist Folgender:

  • Name der Figur: Das erklärt sich wohl selbst, z.B. Gero Lehmann
  • Kerndaten: Volkszugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Größe. Generell alles, was offensichtlich und dauerhaft den Charakter prägt, z.B. deutscher, 75jähriger Mann, ca. 170cm
  • Beschreibung: Von Körperbau und -haltung über Haare, Kleidung, Statussymbole und Ausrüstung . Im Unterschied zu den Kerndaten skizziert die Beschreibung bereits einen Eindruck von den Charakterzügen der Figur oder von ihrem Verhältnis zur Situation. Ein 70jähriger in einem Anzug ist nichts Ungewöhnliches. Ein 70jähriger im Anzug mit langen weißen Haaren und ebenso langem, weißem Vollbart hinterlässt bereits einen Eindruck - insbesondere wenn man ihm auf der Tanzfläche beim Discofox begegnet.
  • Hintergrund: Beruf oder Funktion der Figur, ihre Beziehungen zu anderen, ihre Vorgeschichte. Diese Informationen helfen den Charakter als Teil der Handlung zu verankern und einzuschätzen, welche Ressourcen er eventuell nutzen kann. Beispiel: Gero Lehmann ist ein alleinstehender Rentner (verwitwet) und langjährig mit dem Inhaber des Tanzlokals befreundet.
  • Wesen: Stimmung (situationsbezogen) und Marotten (situationsunabhängig) geben der Figur ein Profil und dem Spielleiter Anreize für die Darstellung, z.B. Gero ist aufgeschlossen und freundlich, allerdings ein wenig förmlich; er spricht mit häufigen Pausen, in denen er schmatzend seinen Mund befeuchtet.
  • Wissensstand: Welche Informationen stehen der Figur zur Verfügung (relevant für die Handlung)? Welche Grundannahmen bestimmen ihr Handeln (relevant für die Figurendarstellung)? Gero Lehmann z.B. glaubt Menschen bzw. Frauen daran einschätzen zu können, wie sich das Tanzen mit ihnen anfühlt. Über Fremde fällt Gero so schnell ein Urteil, ob sie vertrauenswürdig sind oder ob sie ihn nicht ernst nehmen. Er weiß vom Treiben der Kultisten und kennt nicht nur ihren Versammlungsort, sondern hat auch die Identität des Hohepriesters in Erfahrung gebracht.
  • Ziele: Was will die Figur erreichen? Gero will, dass die Kultisten aufgehalten oder zumindest vertrieben werden.
  • Motivation: Warum will die Figur diese Ziele erreichen? Die Gebeine von Geros Frau liegen auf dem örtlichen Friedhof und bevor er dort begraben wird, möchte Gero wissen, dass sein Leichnam nicht den Kultisten für ihre Rituale in die Hände fallen kann.
  • Taktik: Mit welchen Mitteln will die Figur das Ziel erreichen? Geros Alter hindert ihn daran, selbst einzugreifen, daher hofft er, dass er jemanden findet, der vertrauenswürdig ist und bereits hinter den Schleier des Alltags geschaut hat.
  • Einsatzbereitschaft: Was ist die Figur bereit zu bezahlen oder zu opfern, um ihr Ziel zu erreichen? Was will sie nicht riskieren? Der Tod schreckt Gero nicht, wenn er sicher sein kann, dass der Kult zerschlagen wird. Sich einem Uneingeweihten mitzuteilen und wegen vermeintlicher Senilität in ein Heim eingewiesen zu werden, wird er unter allen Umständen vermeiden.
  • Abbruch: Was tut die Figur, wenn der Einsatz zu hoch wird? Gero wird fliehen bzw. alles leugnen, was mit dem Kult zusammenhängt, um einer Einweisung zu entgehen.
  • Spielwerte


Um mich nicht zu wiederholen, verdeutliche ich das an einem weiteren Charakter aus einem anderen Genre (Fantasy):

Gunter Hartleib, Hauptmann der Stadtwache
Mensch, männlich, 38, 1,95 Meter
Beschreibung: Hartleib hat das Kreuz eines Athleten. Der strenge Haarschnitt, der Reitersäbel und die beschlagene Lederrüstung der Stadtwache runden seine respekteinflößende Erscheinung ab.
Hintergrund: In der Garnison setzt sich Hartleib insbesondere mit Züchtigungen und Strafbefehlen durch. Gegenüber Bürgern ist er weniger aggressiv, aber genauso tyrannisch. Mit Touristen und Abenteurern ist er wegen entsprechender Anweisungen umgänglicher.
Wissensstand: Wenn Kinder politische Propaganda verbreiten, haben sie staatsfeindliche Verwandte, die sie anstiften.
Ziele: Die Kinder festnehmen und befragen oder als Hilfsmittel nehmen, um Aufrührer zu fangen.
Motivation: Bedrohung für Wohlstand und Frieden durch aufrührerische Machenschaften ausschalten
Taktik: Hartleib lässt seine Leute solange defensiv agieren, bis er sicher ist, dem Gegner durch nachrückende Wachtrupps überlegen zu sein.
Einsatzbereitschaft: Um eine Flucht der Straftäter zu verhindern, wird er notfalls auch leichte Verletzungen seiner Mannschaft in Kauf nehmen.
Abbruch: Ein paar Kinder und daher gelaufene Abenteurer sind ihm keine Todesfälle in der Truppe wert. Stattdessen hofft er lieber auf Glück bei einer Verfolgung.
Spielwerte: ...

Sonntag, 1. April 2012

Charaktere, Figuren und Charakterentwicklung: Rollenspiel-Karneval im April


Illustration: Nod Young
Ohne Charaktere kein Rollenspiel. Jeder spielt mindestens einen; der Spielleiter mitunter mehrere gleichzeitig. Deswegen widmet sich der Karneval der Rollenspielblogs im April den Themen Charaktere, Figuren und Charakterentwicklung. Jede Meinung, jede Anregung ist gern gesehen. 
Rollenspiel-Blogger kennen es bereits: ihr schreibt und verlinkt euren Beitrag hier in den Kommentaren bzw. im Organisationsthread des "Richtig Rollenspiel!"-Forums. Wer kein eigenes Blog betreibt, kann sich gern bei mir als Gastautor austoben.

Deine Beiträge können von theoretischen Überlegungen, über Hausregeln bis hin zu rollenspielerischen Kochrezepten reichen. Du brauchst ein paar Anregungen für das Thema?

  • Spielercharaktere
    • Will ich dich spielen? Spielerfiguren mit Charakter erschaffen
    • "Ich bin Gandalf der Graue - Zauberer der ersten Stufe!": Crunch und Fluff aus einem Guss
    • Kommt Zeit, kommt XP ... Charakterentwicklung und Spielspaß
    • Wie gruppenfähig muss ein Spielercharakter sein?
    • Du kannst spielen, was du darstellen kannst.
  • Nichtspielercharaktere
    • Tipps zur Improvisation von NSCs
    • "Reoccuring villains" oder "Leveln Erzbösewichte mit"?
    • Unvergessliche Charaktere: Wie werden aus NSCs Individuen?
    • Ein Leben im Dungeon. NSCs warten auf ihre gerechte Bestrafung, oder?
    • "Der Typ ist irgendwie verdächtig." NSCs und ihre Funktion im Spielfluss
  • Spielercharaktere nur für Spieler - Nichtspielercharaktere nur für Spielleiter?

Aber lass dich davon nicht einengen. Die Welt - naja, die deutschsprachige Rollenspielwelt - wartet auf deinen Beitrag!